M  I  A  M  I

Mental Intelligence Addresses Momentary Indifference

Einleitung

 

Diese Seite ist immer etwas in Bearbeitung. Ziel wird sein, sich mit Hilfe der MIAMI – Methode (Name von mir erfunden) einen kleinen Einblick in die Arbeit am psychischen und mentalen Bereich zu verschaffen, sowohl beim Wettkämpfer, als auch beim Lernenden. Damit sind sowohl Wettkämpfer, als auch diejenigen die sich noch mit den Grundbausteinen des Tennissports befassen, gleichermassen angesprochen

Den Titel dieser Seite habe ich aus zwei Überlegungen heraus gewählt. Einerseits suggeriert der Name MIAMI eine gewisse positive Energie (Sportmetropole, Action, Sonne, usw.). Andererseits trifft der Satz aus den Wörtern mit den 5 Anfangsbuchstaben M, I, A, M und I, den Nagel der Message im Titel ziemlich genau auf den Kopf.

In all den Jahren, wo ich als Turnierspieler einerseits und als Tennislehrer andererseits, meine Erfahrungen machte, konnte ich gewisse parallelen in den Sparten, Wettkampf und Psyche einerseits und Lernen und Psyche andererseits, feststellen. Ich habe mir dabei über viele Jahre immer wieder Beobachtungen aufgeschrieben und diese Notizen aufbewahrt. Jetzt möchte ich diese Seite mit diesen Notizen, strukturiert gebündelt nach und nach ausbauen.

Es geht also darum, wenn wir mit dieser Methode arbeiten wollen, mittels Intelligenz und Wissen, eine Annäherung an momentaner emotionaler Gleichgültigkeit gegenüber dem zu erreichen gewollten Resultats zu erreichen. Und zwar während des körperlichen Match-, Trainings- oder Lernvorganges. Dass man das Denken dabei nicht einfach ausschalten kann, ist jedem klar. Aber man kann sich mit etwas Training, den wichtigen Momenten gegenüber, eine gewisse Gelassenheit aneignen. 

Dies sollte in drei Sätzen, die dem Titel zugrundeliegende Aussage knapp darlegen. Es soll in diesem Sinne eine Trainingsanleitung für den Trainings-'Approach' sein. Mit welchen Vorgaben ich ins Training oder an ein Match gehe. Die Seite ist jetzt neu, und wenn Ihr sie ab und zu verfolgt, werdet Ihr sie langsam wachsen sehen und ihr auch sicher etwas abgewinnen können.

 

Viel Spass dabei - Euer Hansi

 

Was heisst 'Momentary Indifference'?

Die momentane Gleichgültigkeit für das angestrebte Resultat, während der ziel- oder resultatorientierten Tätigkeit, ist was in diesem Zusammenhang angestrebt wird. Dabei soll idealerweise die Stimulierung des Spielers, hervorgerufen durch Rhythmusgefühl, Fokus und Konzentration möglichst von Erfolgs- oder Misserfolgsaussichten unbeeinflusst bleiben. Somit geht es darum den Spass an der Tätigkeit während der Tätigkeit zu haben ohne dabei vom noch grösseren Spass, den man bei erfolgreichem Abschluss der Tätigkeit erwarten würde, abgelenkt oder beeinflusst zu werden. Dabei können Gefühle und Emotionen eine sehr grosse Rolle spielen.

Wir unterscheiden hierbei die beiden Situationen Matchplay oder Leistungserbringung und Weiterentwicklung der Fähigkeiten.

Bezüglich Matchsituationen: Es ist uns vielleicht allen schon einmal passiert, dass von dem Moment an, wo ein prestigeträchtiger Erfolg in den Rahmen des Erreichbaren rückt, wir anfangen uns emotional mit den Folgen, für den Fall des Erreichens desselben, zu befassen. Aber je knapper der Ausgang zu werden droht, desto mehr rückt die Emotion Angst, es vielleicht doch nicht zu schaffen, der Freude und dem Fokus zu Leibe. Wenn die Angst jedoch einmal in unserem grösstenteils unkontrolliert entstandenen Gedankenkonstrukt Einzug erhalten hat, ist es sehr schwierig, um nicht zu sagen geradezu unmöglich, diese Emotion rational wegzukriegen. Sie hängt wie ein Damoklesschwert schwer über uns und droht, unseren zuvor mit Vorfreude ausgemalten und mit persönlich wertvollen Konsequenzen geschmückten Erfolg, zu vernichten. Der Verlust der Vorfreude ist ein Schlag der zu Trauer führen kann.  

Diese Angst kann dann bei kontinuierlicher Bestätigung derselben, d.h. wenn das ganze tatsächlich aus den Fingern zu gleiten droht, mit Wut gegen sich selbst weitergezogen und schlimmstenfalls sogar noch mit der körperlich und psychisch lähmenden Emotion 'Trauer' ergänzt werden. Trauer darüber, dass es droht wieder einmal nicht zu klappen, dass es nie was wird, "typisch", usw. 

Hier gilt es nun irgendwann, entweder während oder (idealerweise) bevor wir anfangen, die mentalen Weichen dementsprechend zu stellen.

Wie können wir der Angst zuvorkommen? Wie können wir uns sozusagen eine Emotion injizieren, welche unseren Fokus motiviert und energetisch aktiviert auf den Moment der Aktion richtet.

Zwei berühmte Beispiele wie Emotionen entfacht und geschürt wurden

 Viele kennen wahrscheinlich Zorn oder Wut als kraft- oder energieinduzierende Emotion. Dies kann funktionieren, wenn der Zorn gegen die "ungerechte Aussenwelt" gerichtet ist. Ein berühmtes Beispiel hierfür war sicherlich John McEnroe, die Nr. 1 der Welt in den frühen Achtzigerjahren. Da war die Wut gegen Linien- und Schiedsrichter oder knipsende Kameras oder Zuschauer gerichtet und wurde an Wasserbechern und Blumenarrangements oder dergleichen, mit teilweise erfolgreicher Zerstörung derselben, ausgelassen. Das Resultat liess dabei nicht lange auf sich warten, und die Zuschauer fingen an ihn auszupfeifen, und es entstand im Stadion z.T. ein enormer emotionaler Energiestrom gegen ihn, was ihn wiederum darin bestätigte seinen Zorn gegen die ungerechte Aussenwelt zu fixieren. Er wusste instinktiv wie er diese Energie im Stadion provozieren konnte, um sie in sich aufzunehmen und dann, ähnlich einer kleinen Bombe für sich zu nutzen. Er tat dies nicht bewusst, sondern wie gesagt, instinktiv. Denn gleichzeitig mit sich selbst im Reinen führte dies zum "Na, euch zeig' ich's"- Effekt. Sein Timing, seine Reaktion, seine Reflexe und sein Gefühl wurden Messerscharf, und er spielte für den Moment. Egal ob er gewinnen oder verlieren würde, es waren ja sowieso alle gegen ihn. Durch die aus dem Umfeld entstandene Wut (der Gegner hatte damit nichts zu tun) kam auch keine Angst vor den Fähigkeiten seines Gegners auf. Seine Motoren liefen auf 120% und er spielte und zeigte auf Teufel komm raus sein bestes Tennis, und zwar ohne Rücksicht auf Angst vor Verlust. Parallel dazu kühlte sich sein Gegner auf der anderen Seite physisch und mental ab, ja wurde wahrscheinlich sogar psychisch verwirrt und wusste nicht ganz wie er mit dieser Situation, die ihn einerseits nichts anging, in die er andererseits jedoch ohne eigenes Mitverschulden von seinem Gegner hineingezwungen worden war, umgehen sollte.  Sehr wichtig dabei war, dass Johns Wut nie gegen sich selbst gerichtet war. 

        Sein zur selben Zeit aktiver Kontrahent, Jimmy Connors, war ebenfalls ein Spieler, der die Energie im emotionsgeladenen Stadion für sich zu nutzen wusste. Im Gegenteil zu John, spornte er die Massen an für ihn zu schreien und zu applaudieren. Er tat dies mit Showeinlagen,  Stöhnen, Mimik und grossem Gestikuliergehabe.

        Beide Spielertypen haben jedoch gemein, dass ihre Aktionen im Moment des Spielens auf dem Platz, mit einer momentanen Gleichgültigkeit gegenüber dem zukünftigen Resultat stattfinden. Mit Hilfe der "Droge" Energie von den Massen des Publikums.       

         E= mc^2           (Die Energie (E) setzt sich zusammen aus der Masse der Zuschauer (m), multipliziert mit dem Chaos (c), hervorgerufen durch Emotionen, hoch zwei (denn sie kommen ja von beiden Seiten, die sich gegenseitig anspornen und damit das Chaos ‘absolut’ miteinander multiplizieren. Im Falle von John im Negativen, und im Falle von Jimmy im Positiven).

Dies sind zwei Beispiele, wie sich Emotionen positiv auf den momentanen Fokus auswirken können. Die Emotion ist ja im Moment da. Die Wut ist momentan und kann einen grossen inneren Energieschub auslösen, der sowohl konstruktive als auch destruktive Auswirkungen auf die momentane körperliche Bereitschaft haben kann. Auf jeden Fall führt die Emotion zu einer Enthemmung des Spielers, was ihn zu 100% in seiner Aktion aufgehen lässt. 

(Man darf dabei jedoch nicht vergessen, dass sich diese Szenarien auf enormen Theaterbühnen abspielen. Unter den Augen von Myriaden von Zuschauern weltweit. Da gehören emotionale Ausbrüche mit zum guten Ton, oder zumindest die unterschiedlichen Spielertypen.)

Emotionen sollen stimulierend wirken und beflügeln

Der Zorn darf sich in diesem Sinne nicht gegen die eigene Person richten, denn sonst wird es nicht lange dauern bis sich der Spieler sein Spiel selbst kaputt macht und sein Spiel verliert. (Denn das bezweckt er ja dann eigentlich auch, wenn er schon auf sich selbst wütend ist. Er bestätigt damit sozusagen erfolgreich seine Wut auf sich selbst. Und das darf nicht sein.)

Bezüglich Trainings- und Lernsituationen:

Hier verhält es sich ähnlich. Die Wut auf sich selbst ist destruktiv! Ich muss also eine Emotion in mir wachrufen, welche mich gegenüber äusseren Einflüssen enthemmt. Z.B. gegenüber zufälligen Zuschauern, oder einem übereifrigen Trainer, der mich bei jeder Bewegung korrigiert. Oder gegenüber einem schlechten Gewissen, dass etwas nicht auf Anhieb klappt, oder dass ich eigentlich gar keine Zeit hätte jetzt Tennis zu spielen, oder, oder,...

Die richtigen Emotionen helfen uns Hemmungen aufzulösen und unserer momentanen Aktion freien Lauf zu lassen. Falsche Emotionen verstärken hingegen unsere Hemmungen, ja können geradezu lähmend auf unsere momentane Aktion wirken.

Wir suchen die momentane Gleichgültigkeit, bezüglich erhofftem Erfolg oder befürchtetem Misserfolg während der Lern- oder Matchsituation, um dabei im ‘Hier Und Jetzt’ ungehemmt agieren zu können.

Es gilt also zu versuchen, für unseren Lern- oder Matchmodus förderlich wirkende Emotionen, auf Abruf anzueignen. Aber zum Hausgebrauch, und ohne sich dabei wie oben beschrieben die ganze Umgebung zum Feinde zu machen oder sich vor allen wie ein Clown aufzuführen. Denn dies würde unweigerlich zu unerwünschten Nebeneffekten führen. Und da liegt auch die Schwierigkeit, denn wie projiziere ich meine Emotionen ohne sicht-, spür- oder hörbar gemachte Einflüsse auf die hauseigene Bühne.

Das Ziel hierbei ist es, enthemmt und vorbehaltlos der Vorstellung des gewünschten Aktionsmusters nachgehen zu können. Denn je öfter ich eine Bewegung, eine Bewegungschoreografie wiederholen kann, desto mehr wird mein Gesamtbild zu dem harmonisiert was auf meiner Ebene meiner Vorstellung entspricht. 

Dabei wird der Ästhetik dieser Vorstellung grosse Bedeutung zuteil! Dann arbeitet nämlich die dazugehörige Emotion als Öl im selben Getriebe mit.